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Rinderwahn in Österreich

Satire von Georg Franz.

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie auf österreichischen Almen unterwegs sind!

Freilich muss gleich zu Beginn gesagt werden, dass dieser Titel ein völlig falscher für diese Geschichte ist, weil es einfach keinen Rinderwahn in Österreich gibt, nie gegeben hat und auch nie geben wird. Dafür sorgen nämlich die tapferen Mannen der „Österreich Werbung“, also der staatlichen Tourismus Organisation.

Seit Österreich im Jahre 1918 auf seine nunmehrigen Grenzen reduziert wurde, ist die Haupteinnahme-Quelle des Landes der Tourismus. Natürlich hätten die Österreicher damals gerne das Adria-Meer und die dazugehörenden Küsten behalten, - das alles und noch vieles mehr ging ja nach dem Ersten Weltkrieg verloren, wie gesagt - aber wenigstens hatte man uns damals unsere Berge belassen, - allerdings auch nur, weil die seinerzeit sonst niemand haben wollte. Wer konnte denn schon ahnen, dass die Schifahrerei mit allem Drum und Dran einmal so ein einträgliches Geschäft werden würde? Und wer konnte andererseits ahnen, dass die Adria langsam, aber sicher an den Algen zugrunde geht? Dass wegen der Klimaerwärmung die Gletscher schmelzen, das mag vielleicht für die Arktis stimmen, aber nicht für die österreichischen Berge, denn österreichische Berge sind - laut „Österreich Werbung“ - vor jeglicher Erwärmung sicher. Alle anderen Behauptungen seien nur böse Propaganda von Nestbeschmutzern, Vernaderern und anderem, politisch nicht erwünschten Gesindel.

Die „Österreich Werbung“ ist straff organisiert und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Eine Vorgänger-Organisation gab es bereits zu Kaisers Zeiten Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Name „Österreich Werbung“ wurde aber erst 1989 mit der letzten großen Reform eingeführt. Diese Reform hatte es wirklich in sich. Die Mauer in Berlin war gefallen, der eiserne Vorhang verrostet, dem neutralen Österreich waren auf einmal die Bedrohungen abhanden gekommen. Der österreichische Geheimdienst verlor damit seine Existenzberechtigung, - was sollte man mit den Agenten jetzt nur anfangen? - dafür gewann aber der Tourismus schnell viele neue Zielmärkte dazu.

Schon bald war aber klar, welchen neuen Verwendungszweck die pragmatisierten Agenten des Geheimdienstes bekommen sollten. Andere Länder schicken ihren Personalüberschuss in den Nahen Osten, nach Afrika oder nach Nordkorea. Dort lösen sich dann viele Probleme ganz von selbst. Doch die Österreicher gliederten den Geheimdienst überraschender Weise in die „Österreich Werbung“ ein. Wenn schon 9% des Brutto-Inlandprodukts vom Tourismus kommen, dann muss man doch auf Nummer Sicher gehen.

10% aller erwerbstätigen Österreicher arbeiten schließlich im Tourismus-Sektor. Das Land beherbergt mit seinen acht Millionen Einwohnern 30 Millionen Touristen jährlich. Wobei die größte Gruppe der ausländischen Touristen aus Deutschland kommt, nämlich rund die Hälfte. Somit ist auch der große Nachbar das größte Sorgenkind.

Die Hauptaufgabe des Nachrichtendienstes der „Österreich Werbung“ ist es, Probleme mit und von Deutschen effizient und lautlos zu beseitigen. Dabei spielt zum Beispiel auch die Bild-Zeitung eine entscheidende Rolle. Eine einzige Österreichkritische Schlagzeile in der Bild Zeitung – und schon urlauben hunderttausende Deutsche weniger in Österreich! Es hat relativ lange gedauert, bis man die Bild-Redaktion unterwandert hat, aber mittlerweile hat man die Schlagzeilen dort Großteils im Griff.

Aber im Sommer 2002 geschah etwas, womit keiner gerechnet hat. Die ganze Welt lag noch im Terror Schock wegen des 11. Septembers. Da flatterte eine Bild-Zeitung in die Zentrale der „Österreich-Werbung“, die hatte es in sich. Da stand in fetten Lettern auf der Titelseite: „Perverse Österreicher sprengen Kühe in die Luft!

„Gruber!“ brüllte Major Prohaska, Oberkommandant der „Österreich Werbung“, in sein Telefon. „Sofort zu mir, Krisensitzung!“ Gruber antwortete eilig ein „Jawohl, Herr Major“ und drückte sofort auf den Alarmknopf, um die schnelle Eingreiftruppe zu verständigen.

„Also, wie konnte denn so etwas überhaupt passieren?“ eröffnete Prohaska die Sitzung. „Wir wissen’s noch nicht, Herr Major“, antwortete Gruber kleinlaut, „aber so wie es aussieht, ist unser Informant verschwunden und hat die Schlagzeile nicht verhindern können. Wir prüfen gerade, ob er von den Italienern abgeworben wurde.“ „Sofort foltern, dann rauswerfen!“ pfauchte Prohaska. „Was wissen wir noch? „Die Meldung ist keine Ente“, führte Gruber weiter aus. „Es geschah tatsächlich auf der Hohen Kugel in der Nähe von Feldkirch in Vorarlberg.“

Vorarlberg ist das westlichste Bundesland und von Restösterreich durch einen Berg getrennt, was sowohl aus der Sicht der Vorarlberger, als auch aus der Sicht der Restösterreicher, ein Glück ist. Verstehen kann man die Vorarlberger nämlich nur schwer, da sie - wie die Schweizer - vor ein paar hundert Jahren einfach die mittelhochdeutsche Lautverschiebung verschlafen haben.

„Das heißt, wir haben einen Terroristen auf einer Vorarlberger Alm, der Kühe sprengt?“ fragte Prohaska. „Nein, Herr Major, haben wir nicht. Die Kuh wurde ganz offiziell gesprengt, der Bürgermeister gab sein Okay, und ein geprüfter Sprengmeister führte die Sprengung ordnungsgemäß durch. Der Kadaver konnte nicht anders von der Alm abtransportiert werden. Die Kuh stand nur deswegen in der Zeitung, weil der Sprengmeister den Sprengstoff nicht weit genug in den … den … hinten hinein gesteckt hatte. Deshalb landete eine halbe Rinderhälfte nach der Sprengung in einem Baum, ein Kuhauge auf dem Gehweg, und der Kuhschwanz in der Wiese daneben. Und an diesem Schlachtfeld spazierte dann ausgerechnet eine geschockte deutsche Urlaubergruppe vorbei, die schließlich die Meldung an die Bild-Zeitung weitergab, aber seither an posttraumatischen Entspannungsstörungen leidet, hahaha.“

„Gibt es schon Ergebnisse von der Marktforschung?“ fragte der Major weiter. „85 von 100 Deutschen finden es verabscheuenswürdig, tote Kühe in die Luft zu sprengen“, gab Gruber wahrheitsgemäß bekannt. „Beliebtere Tiere als Kühe sind nur noch Katzen, Hunde und Eisbären. 30 von 100 Deutschen gaben an, dass sie wegen dieser perversen Tierquälerei nicht mehr nach Österreich kommen wollen, um Urlaub zu machen. Und 50 von 100 Deutschen gaben an, Österreich sofort den Krieg zu erklären, sollte jemals ein Eisbär auf einer Alm gesprengt werden.“

Im weiteren Verlauf dieser Angelegenheit schlug die Marketing Abteilung vor, die Core Competencies zu streamlinen, um am point of sales echten added value zu bieten. Außerdem sollte man den USP schärfen. Diese Ansage konnte man aber getrost ignorieren, denn das sagen die Wappler der Marketing Abteilung jedes Mal. Der Major erstellte danach ein Maßnahmenpapier für die Regierung, das auch sofort umgesetzt wurde. Das Sprengen von toten Tieren ist seither in Österreich verboten. Jede tote Kuh auf einer Alm wird ab sofort mit einem Hubschrauber abtransportiert, was rund 1.500,- 2.000,- Euro pro Transport kostet. Die Kosten übernimmt das Land. Eine Sprengung hätte zwar nur 500,- Euro gekostet, würde aber Millioneneinbußen beim Tourismus bedeuten.

Und damit, meine Damen und Herren, wurde, wie Sie sehen, wieder einmal ein schwieriger Fall von den Agenten der „Österreich Werbung“ sauber und erfolgreich gelöst.

Über den Autor

Georg Franz veröffentlicht seine Geschichten im Cyberspace unter anderem auch bei seinem Blog http://www.schwarzfahrer.at. Die für ihn drei wichtigsten Dinge der Welt sind Liebe, Sex und Illusionen - worüber er auch ein Buch geschrieben hat.

Rinderwahn in Österreich
Rinderwahn in Österreich

Kommentare (3)

toll

süüüüüüüüsssssssssssssssss


nice nice

sehr geil,gefällt mir
ich gehör aber zu den 50% die nicht den krieg erklären wenn österreich den eisbären sprengen würde.

gruß der azubi der 2 büros weiter sitzt


Der k. und k. Sprengmeister

Von Georg Rusbeck, georg@rusbeck.net
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Verdammter Geheimdienst! Ich hab jetzt als ausgebildeter Sprengmeister keinen Job mehr… Dabei war Sprengen bei uns eine Familientradition.

Schon mein Ur- Ur- Urgroßvater war Sprengmeister. Damals sprengte er die erste Gebirgsbahn der Welt, die Semmeringbahn, durch die Berge und begründete damit unseren Familienstamm. Der Alte sprengte überall und hatte daher eine große Familie. Aber nur die ältesten Söhne durften jeweils die Tradition fortsetzen. Sein Sohn war dann k. und k. Vizesprenggeneral in einer Dragonerdivision und sprengte so mehr oder weniger in der ganzen Monarchie. Von Siebenbürgen über Lemberg, sprengte er sich via Budapest, Agram und Prag bis nach Wien.
Sein Sohn wiederum sprengte im großen Krieg (dem ersten Weltkrieg natürlich) wieder in alter Tradition durch die Alpen. Dabei schaffte er es, ganze Bergkuppeln zu sprengen.
In der Zwischenkriegszeit war gar nichts zu holen. Es gab nur kleine Sprengungen im Rahmen der damaligen politischen Auseinandersetzungen. Ja, gerade mal die Glocknerstraße. Aber sonst? Weil es so wenig zu verdienen gab, musste sein Sohn aus der blanken Not heraus den Fleischhauer Beruf lernen. Fleischhauer!
Aber er wäre nicht ein echter Sepptex gewesen, wenn er das nicht auf seine Art gemacht hätte: Er war der Erfinder der Kuhsprengungen! Billig, einfach und rasch. Nach dem Anschluss war mein Großvater lange Zeit in Deutschland als Kuhsprengmeister unterwegs. Nach dem Krieg sprach er nur selten darüber. Aber in Hannover kennt man ihn z. B. heute noch.

Das Kuhsprengen ist genau genommen eine Kunst: Es ist nicht so, dass man da die Triebmittel einfach in den Arsch steckt und zündet: Nein, man verteilt kleine Ladungen ganz genau und kann so bestimmen wo die Kuh zerteilt wird.

Mein Großvater, der übrigens auch der Erfinder der modernen Gulaschkanone war, konnte z.B. einen Rinderbraten punktgenau und zartrosa aus der Kuh heraus sprengen. Oder, wenn richtig angerichtet, ein perfektes Gulasch. Das Sprengmeistergulasch ist heute noch eine Spezialität unseres Dorfes. Da die Sprengung aber wegen der verfluchten Wiener, die das verboten haben, jetzt nicht mehr erlaubt ist, müssen wir heimlich sprengen. Das Gulasch kostet inzwischen unter Liebhabern ein kleines Vermögen. Wenigsten ein Trost. So kommt etwas Geld herein und ich konnte mir so die Umschulung finanzieren, die mich zum europäischen Lawinensprengmeister ausbildete.

Zugegeben, uns - also meinem Vater und mir - ist damals in Vorarlberg beim Kuhsprengen ein kleiner Fehler unterlaufen. Wären die Piefkes nicht schon in Sichtweite gewesen, wir hätten alles fein säuberlich zerteilt und die Deppen hätten uns einfach für Biobauern gehalten, die frisches Rindfleisch auf der Alm verkaufen. So aber wurde gehudelt... und das Schlamassel war perfekt.

Aber dass uns der aufgeblasene Wiener Geheimdienst gleich solche Scherereien machen würde, das war wirklich nicht in Ordnung. Meiner Meinung nach ist dadurch eine Kulturtradition unseres Landes verloren gegangen. Und Schuld sind wieder einmal die Piefkes!

Aber diesen Teil der Geschichte erzählt natürlich niemand.

Freundlichst,
Herbert Sepptex


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